BL1: Hannover 96 – BTSV 0:0

Scheiß-Hannover Niedersachsenstadion,
Hannover
Eintracht Braunschweig

War der Aufstieg in die Bundesliga ja für sich schon grandios, so brachte er ja auch noch ein Wiedersehen mit unseren „Freunden“ vom Maschsee mit sich.

Fast genau zehn Jahre ist es her, als es im Pokal zum letzten Aufeinandertreffen kam – die Fotzen verloren mit 2:0 als Bundesligist gegen den kleinen Regionalligisten.

In einem Punktspiel stand man sich 1998 das letzte Mal gegenüber, damals siegten die Penner mit 1:0 in Braunschweig, was die Vorentscheidung in der Meisterschaft der Regionalliga Nord und den damit einhergehenden Aufstieg bedeutete.

Gar 37 Jahre ist das letzte Aufeinandertreffen in der 1. Bundesliga her. Vor meiner Zeit.

Seit dem Aufstieg in Ingolstadt war der Fokus immer auf dieses eine Spiel gerichtet. Klar, die anderen Spiele waren auch wichtig, das erste Mal mit dem BTSV in der 1. Liga auswärts, große Gegner, volle Stadien, der Sieg beim buckligen Nachbarn. Alles toll. Aber dennoch, heute war endlich das Spiel der Spiele.

Die Kartenfrage war dank Auswärtsdauerkarte ja unproblematisch, aber Dank Verein, besonnener Szene und FanParlament bekam Jeder, der es verdient hatte sein Ticket – und das sollte sich auch positiv auf das Auswärtserlebnis auswirken.

Nachdem es im Vorfeld schon die ein oder andere Schmiererei in Braunschweig gegeben hatte und die Hannöversche Bürgerwehr, die die darauf folgenden Reaktionen verhindern wollte, sich selbst dezimierte, als kurzerhand eine Zivilstreife angegangen wurde, gab es in der Woche vor dem Spiel ein paar nennenswerte Aktionen beider Seiten. So platzierte Hannover gelbe Holzkreuze mit der Aufschrift BTSV an den Ausfallstraßen Braunschweigs. In der Leinestadt wurde dafür ein Hannover-Schwein (O-Ton Bild-„Zeitung“) beziehungsweise ein 96-Schwein (O-Ton „Neue Presse“, und die müssens ja schließlich wissen) aufgegriffen.

Zur Anreise wurde mal wieder auf den Ballerbus verzichtet, zu unwirtschaftlich bei der kurzen Distanz, dazu im Vorfeld Unklarheiten über die örtlichen Gegebenheiten. Die Szene nutze den Sonderzug, wir zogen eine konspirative Anreise mit dem Airportshuttle vor. Netterweise brachte der uns nicht etwa zum Flughafen, sondern direkt zur Stadionbrücke, wo wir dann auch wieder aufgesammelt wurden. Großes Tennis, besten Dank an dieser Stelle!

So waren wir also schon frühzeitig da und konnten uns nur wundern, dass im Gästebereich tatsächlich diese eine Hannoverkneipe offen hatte. Meine nett gemeinten Begrüßungsworte riefen leider sofort ein Kamerateam auf den Plan. Bäh, verpisst Euch!

Vor dem Eingang noch schnell ein paar Biere verputzt, ehe man den Mob vom Szenezug nahen sah und schon mal das Stadion betrat. Die Kontrolle vor mir lächerlich penibel, dafür durfte ich quasi unkontrolliert ins Stadion – wenn ich das gewusst hätte – ich hätte Schweinsköpfe mitbringen können, Motoroller, Pyrotechnik… Na gut, Schweinsköpfe sind wohl bei der Zugankunft einige geflogen, haben die Hannoveraner auch endlich mal was zu fressen.

Die Zugbesatzung wollte auch ins Stadion, aber das wurde ihnen erstmal verwehrt. Nach einigen Minuten Tumult auf dem Stadionvorplatz entschloss die Polizei die Jungs jetzt doch endlich ins Stadion zu lassen. Geht doch!

Erwähnenswert übrigens, dass in der Heimseite nur der Block im Oberrang bereits gut gefüllt war, der aber kaum mal einen Ton rausbekam. OK, es kam ja auch noch das Spiel.

Und das begann mit einer hübschen Fähnchenchoreo von den Hässlichen.

Hannoverrecke

Sah sehr gut aus, war vor allem deswegen eindrucksvoll, weil alle die Fahnen zeitgleich in der Luft hatten. Gefolgt wurde das von einer recht aufwändigen Folienchoreographie, die Höhepunkte in der Geschichte von 96 im Allgemeinen und die jüngere Derbygeschichte im Speziellen zum Thema hatte. So sah man die miese 4:0-Anzeigetafel von ’97 und den dreckigen Asamoah beim Jubeln nach dem 0:1 in Braunschweig.

Hannoverrecke

Von unserer Seite gab es ein paar Fähnchen und bengalische Lichter.

Das Spiel der Spiele begann und die Nordkurve zeigte noch ein nettes Transparent „Heute zur Legende werden“ – das fand ich nett, ist ja nicht alltäglich, dass von der Heimmannschaft der Gegner angefeuert wird. Zur Legende sollte heute jedenfalls nur einer werden.

Hannoverrecke

Ultras Hannover im Oberrang zeigten ebenfalls ihr ganzes Können, in dem sie Fackeln zündeten…

Hannoverrecke

…und dann auch noch ein paar Fackeln zündeten:

Hannoverrecke

Es gab noch mehr Fackeln, aber dann immer nur ein oder zwei oder auch mal drei, eigentlich brannte immer irgendwo bei den Vollidioten ein Bengalo. Wie schon erwähnt, dass war alles was von da kam.

Zum Sportlichen: Chancen gab es keine nennenswerten – weder für die, noch für uns. Und Davari zum wiederholten Male sackstark (bis auf eine Szene direkt vorm Pausenpfiff, als er einen Ball nicht schnell genug klärt. Ist aber nix passierte, also egal!).

In der Pause spielt der gemeine Hannoveraner entweder an sich selber rum oder aber er spielt Deppenball, das ganze untermalt von furchtbarer Inzest-Fränky-Morgenmän-Animation. Öfter als einmal pro Saison kann man das nicht ertragen, ohne sich selber mit einem stumpfen Gegenstand wiederholt auf den Kopf zu schlagen. Was natürlich wiederum auch erklärt, wieso das hannöversche Publikum so scheiße ist.

Hannoverrecke

Nach der Pause – der geneigte Leser ahnt es bereits – gabs von den Oberrang-Hannos (übrigens stylisch alle mit lustigen Sturmhauben) mal wieder ein wenig Pyro.

Hannoverrecke

Das war dann aber auch die letzte nennenswerte Aktion, danach brannten zwar immer noch ständig einzelne Fackeln, aber wie oben bereits erwähnt, wenn sonst nur wenig kommt, dann schockt das Keinen. Na gut, Euern verehrten Vereinspräsidenten Martin Kind vielleicht.

Was natürlich nicht fehlen durfte, war das politische Statement von der Brigade im Unterrang, was ich persönlich ganz süß fand:

Hannoverrecke

Angeblich ist die Kurve von Hannover ja nazifrei, das Komplottbanner hing aber dennoch im Oberrang. Geht mich aber auch nix an.

Und dann war natürlich auch klar, dass irgendwas zur 67. Minute kommen würde, bei uns Stimmung und Feuer.

Hannoverrecke

Bei denen wurde wohl (das Ding war ruckzuck wieder weg, daher konnte ich es nicht genauer erkennen) die eine alte Blockfahne von uns präsentiert. Na, dann wissen wir ja endlich, wer die hat. Darüber hinaus hatten beide Seiten paar Fanshop-Artikel im Angebot, Hannover hat darüber hinaus noch eine Zaunfahne eingebüßt.

Zurück zum Spiel – je länger die Partie dauerte, desto verzweifelter wurde Hannover, weil nichts mehr klappte. Und desto selbstbewusster wurde der BTSV.

Und das wiederum potenzierte sich auch auf den Rängen – von Hannover kam nichts mehr, während Eintracht das Mindersachsenstadion rockte.
Bereits vor Abpfiff verließen viele Hannos das Stadion, wohlgemerkt beim Stand von 0:0 im Derby. Ist das die neue Mode, die wir nur noch nicht mitbekommen haben, weil wir so lange nicht mehr Bundesliga waren?

Wie dem auch sei, der Abpfiff folgte, Braunschweig feierte, Hannover pfiff die eigene Mannschaft aus – das hatte man sich am Maschsee wohl anders vorgestellt. Ich nehme jedenfalls an, dass die Leuchtspur auf die eigenen Leute nicht als Aufmunterung gedacht war.

Hannoverrecke

Als wir das Stadion verließen, war außer dem Gästeblock nur noch der Block um UH bevölkert, die aber auch nur konsterniert dastanden. Tja, Ihr Arschlöcher. Zehn Jahre Derbysieger!

Die Abreise erneut völlig unproblematisch, die Polizeikette durfte man am Wasserwerfer „durchtröpfeln“ (wie passend), dahinter wartete der mobile Bierverkäufer auf Kundschaft und dann kamen auch schon unsere Wagen, die uns aus dem häßlichen Pestloch zurück in die Braunschweiger Zivilisation brachten.

Was steht an jeder Ecke? Hannover verrecke!

Eintracht ist Alles!

HANNOVER 96: Ron Robert Zieler – Hiroki Sakai, Andre Hoffmann, Christian Schulz, Sebastien Pocognoli – Leon Andreasen, Lars Stindl – Leonardo Bittencourt (Jan Schlaudraff, 67′), Edgar Prib (Artur Sobiech, 86′), Szabolcs Huszti – Mame Biram Diouf. TRAINER: Mirko Slomka

BTSV: Daniel Davari – Omar Elabdellaoui, Ermin Bicakcic, Deniz Dogan, Timo Perthel – Marco Caligiuri (Marc Pfitzner, 85′), Damir Vrancic, Norman Theuerkauf – Dennis Kruppke (Orhan Ademi, 76′), Mirko Boland – Domi Kumbela (Simeon Jackson, 90’+1′). TRAINER: Torsten Lieberknecht

SCHIRI: Knut Kircher (Rottenburg)

ZUSCHAUER: 47.200, 4.000 aus BS, Danke an die Unterstützung aus Basel und Mannheim

Die Kommentfunktion ist nicht aktiviert.