DFB-Pokal: Sachsen Leipzig – Dynamo Dresden 4:6 n. E. (0:1, 1:1, 1:1)

Sachsen Leipzig Zentralstadion,
Leipzig
Dynamo Dresden

Die Hochzeit vom Freitag forderte noch immer heftigst ihren Tribut in Form von starken Schmerzen im umgeknickten Fuß – mittlerweile nicht nur beim Gehen (besser: Humpeln) sondern auch, wenn ich das Bein ruhig hielt.

So ging es früh morgens mit dem Zug nach Braunschweig, wo nach kurzem Shopping schon Simon getroffen wurde und erstmal zwei Schmerztabletten eingeworfen wurde.

Nach kurzem Warten komplettierten Rossi und Markus unsere Asiticket-Truppe und es ging mit der Bahn via Magdeburg nach Leipzig.

Nach einem ersten Pils wurden die Schmerzen erträglicher und waren am Zielort so weit abgeklungen, dass das Gehen zwar noch nervte, aber ansonsten einem Fußballbesuch nichts mehr im Wege stand (morgens hatte ich schon kurz mit dem Gedanken gespielt, den Jungs das WET in die Hand zu drücken und die Tour zu canceln).

Nachdem das Gepäck weggeschlossen war, konnten wir noch ein wenig das lustige Treiben auf dem Bahnhof betrachten, kam doch grad ein Sonderzug aus Dresden eingefahren.

Da man sich gegen eine Fahrt im Pendelbus entschied, wurde erstmal eine Straßenbahnhaltestelle gesucht, was sich als ziemlich kompliziert herausstellte – Großbaustelle allez…

Schließlich erreichte man das neue Zentralstadion aber problemlos und konnte sich der Kartenfrage widmen – 16 Euro wollten die Verbrecher haben, da alle Billigtickets bereits vergriffen waren, für das Programm waren nochmal 2 Euro fällig…

Zentralstadion, Leipzig

Pünktlich zum kick-off wurde das Stadion geentert, welches heute von 30.450 Besuchern einigermaßen gut gefüllt war, davon war etwa die Hälfte den Gästen zuzuordnen.

Das Stadion selber gefällt mir sehr gut – in Deutschland im Moment für mich die absolute Referenz!
Besonders schön finde ich, dass der neue Ground in die riesige Schüssel des alten Zentralstadions gebaut wurde, was Burgatmosphäre aufkommen lässt.

Der Oberrang der Haupttribüne blieb heute leer, so dass der Rest des Stadions recht gut gefüllt war, besonders natürlich die beiden Fankurven.

Beide Szenen konnten durch guten Support glänzen, besonders die Dresdner konnten am Anfang durch brutal laute Gesänge auf sich aufmerksam machen.

Endlich begann das Spiel, welches beide Teams sehr engagiert angingen – Dresden merkte man durchaus an, daß sie zwei Klassen über Chemie spielen, die das wiederum durch bedingungslosen Einsatz auszugeleichen versuchten.

Trotzdem konnte sich Dynamo in der 18. Minute mit 1:0 in Führung schießen.

Wer nun dachte, dass Dresden durch die Führung beflügelt worden wäre, sah sich getäuscht: zunächst mal wurde das Ergebnis verwaltet und man ließ der BSG Chemie mehr Raum.

Schon vor der Pause begann aber auch das große Chancen-Vertun der Dynamos – unglaublich, so viele versiebte Möglichkeiten habe ich selbst beim BTSV noch nicht gesehen: etliche Male waren ein, zwei oder sogar drei Angreifer allein vorm Keeper der Leipziger, ohne jedoch den Abschluss zu schaffen.

So ging es mit knapper Führung auch in die Pause, in der die einzig mir bekannte hörenswerte DDR-Band auftrat: City, bekannt durch “Am Fenster”.

Zu Beginn des zweiten Durchgangs machten die Leipziger mit einem Spruchband deutlich, was sie von diesem Fußballevents halten (vorher waren noch die Pudys aufgetreten, auch sonst gab es reichlich zweifelhafte “Unterhaltung”). Auf der Gegenseite gabs ein wenig Rauch.

Scheiß Eventkultur! Wir wollen Fußball pur!

Die zweite Hälfte schloss direkt dort an, wo die erste aufgehört hatte: Dresden hätte sicherlich so an die fünf Buden machen können, wohingegen die Leipziger auf Konter angewiesen waren.

Die Heimkurve witterte seine Chance und so waren die Supportvorteile nunmehr klar auf der Seite der Grün-Weißen.

Fast hatte man sich schon mit dem denkbar knappen Sieg von den Fahrradstromerzegungsmaschinen zufrieden gegeben, als es im Dresdner Kasten klingelte: 1:1 in der Nachspielzeit – also Verlängerung.

Nun war auf beiden Seiten die Stimmung wieder prächtig – so soll es sein!

In den folgenden zweimal 15 Minuten ließ kein Team mehr etwas anbrennen, auch wenn sich Dresden über eine Niederlage zu diesem Zeitpunkt nicht hätte beschweren können, zumal der Verteidiger Langen auch noch eine rote Karte sah.

Es gab folglich ein Elfmeterschießen, welches die Dynamos knapp für sich entscheiden konnten, da Kresic den Schuss von Kevin Kittler abwehren konnte.

Der Favorit Dresden gewann also letztendlich glücklich diese Begegnung in der ersten DFB-Pokalrunde.

Für uns ging es nun erstmal aus dem Stadion, um erneut eine Straßenbahn zu suchen – netterweise wurden wir von den netten Freunden und Helfern erstmal in die falsche Richtung geschickt und durften dann eine kleine Odyssee über uns ergehen lassen – mein Fuß war mittlerweile fast völlig schmerzfrei, so dass das wenigstens kein großes Problem darstellen sollte.

Schlimmer war, dass es unm̦glich war, etwas zu Trinken aufzutreiben Рnaja, wir sind ja gleich am Bahnhof. Doch auch da: Pustekuchen.

Die netten Beamten hatten den kompletten Bahnhof abgesperrt und auch der kleine Supermarkt auf der Gleisebene war “aus technischen Gründen” geschlossen.

Auch in Bahnhofsnähe gab es in den orientalischen Supermärkten kein Bier, so dass wir durstig und genervt der Dinge harren mussten, hatte doch die blöde Kuh an der Information uns auch noch eine idiotische Verbindung ausgedruckt, die uns eine extra Stunde Wartezeit bescherte.

Endlich ging es in den Zug nach Halle, wo schnell noch ein paar Biere gekauft wurden und dann der brechend volle Zug nach Vienenburg bzw. Goslar geentert wurde – nicht ohne noch einen Dreikäsehoch aus dem Eingang zu stiefeln, der meinte, der Zug wäre bereits voll… Ja, wenn Du Idiot dich auch auf die Stufen setzt, dann ist auch weniger Platz…

Bis Halberstadt hatte man so lecker Stehplätze, was aber halbwegs locker aufgenommen wurde.

In Vienenburg trennten sich dann unsere Wege, da die Kollegen nach Braunschweig umsteigen mussten – ich fuhr die letzten paar Minuten ohne Ticket, was aber (wie nicht anders zu erwarten war) problemlos klappte.

FC SACHSEN LEIPZIG: René Twardzik, Mats Wejsfelt, Kevin Kittler, Frank Gerster, Dave Jeßner, Daniel Ferl, Adebowale Ogungbure, Maximilian Watzka, Richard Baum (Mirko Soltau, 46′), Nico Breitkopf (Sebastian Seiffert, 55′), Andreas Schwesinger (Tino Semmer, 77′). TRAINER: Wolfgang Frank

1. FC DYNAMO DRESDEN: Ignjac Kresic, Dexter Langen, Volker Oppitz, Mariusz Kujielka, Dennis Cagara, Ansgar Brinkmann, René Beuchel, Karsten Oswald (Witold Wawrzyczek, 67′), Christian Fröhlich, Joshua Kennedy (Marco Christ, 108′), Marco Vorbeck (Thomas Bröker, 82′). TRAINER: Christoph Franke

SCHIRI: Michael Weiner (Hannover)

TORE: 0:1 Dennis Cagara (18′), 1:1 Tino Semmer (90’+2′). Im Elfmeterschießen: 1:2 Christian Fröhlich, 2:2 Daniel Ferl, 2:3 Ansgar Brinkmann, 3:3 Tino Semmer, 3:4 Marco Christ, Ignjac Kresic hält gegen Kevin Kittler, 3:5 Dennis Cagara, 4:5 Mirko Soltau, 4:6 Witold Wawrzyczek

ZUSCHAUER: 30.450

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