DFB-Pokal: VfL Osnabrück – BTSV 3:1 (0:0)

VfL Osnabrück Stadion Bremer Brücke,
Osnabrück
Eintracht Braunschweig

Was für ein scheiß Los – dieser Meinung war ich von Anfang an – ich mein, war ja klar, dass wir auswärts ranmüssen, warum dann mit Osnabrück ausgerechnet der Club gelost wird, bei dem wir in den letzten 15 Jahren wohl die meisten Spiele bestritten (und in der Regel verloren) haben und der zudem einer der vier schwersten im ganzen Amateurtopf war?

Viele in Braunschweig pellten sich natürlich ’n Ei auf dieses Los, endlich mal wieder „Kühe-Schweine-Osnabrück“ grölen. Ich wäre stattdessen erheblich lieber nach Pirmasens, Pfullendorf oder Darmstadt gereist (und das NICHT, weil ich in der Ecke wohne, von mir aus auch zum FC Bremerhaven!).

Aber was will man machen, man steckt ja nicht drin und fährt trotzdem überall hin, so saß ich also Freitag mittags im Auto und – oh Wunder – obwohl ich ein buntes Potpourri Deutschlands staugeplagtester Autobahnen zu befahren hatte, kam ich ohne nennenswerte Verzögerungen in Osnabrück an.

Vor der osnatel-Arena (ex-Piepenbrock-Stadion, ex-ex-Stadion an der Bremer Brücke) traf man natürlich gleich ein paar Gesinnungsgenossen, mit denen ein wenig gefachsimpelt werden konnte, ehe es für mich ins Stadion ging (nicht ohne vorher eine ausnahmsweise mal wirklich gründliche Kontrolle über mich ergehen lassen zu müssen).

Etwa 3.000 Braunschweiger sorgten für eine ordentlich Füllung des Gästeblocks und boten zu Beginn ein Transparent für Tradition und gegen Kommerz, dahinter wurden hübsch kleine Schwenker, äh, geschwenkt. Sah sehr schön aus.

Die Heimseite bot heute eine Choreographie aus geteilten Folien, die zusammen das VfL-Logo darstellten, dazu ein großes Spruchband, welches in Erinnerung rief, dass VfL für „Verein für Leibesübungen“ steht. Meiner Meinung nach mal was anderes, obschon viele die geteilten Bahnen nicht so ansehnlich fanden.

Die Stimmung bei uns war mal wieder stark verbesserungswürdig, unterm Dach ganz OK, auf der Geraden ziemlich mau.

Das Spiel selbst begann ziemlich zerfahren, wobei ich zu Beginn die Eintracht als stärker ansah, da die Abwehr gut stand und keinerlei Osnabrücker Möglichkeiten zuließ – leider aber selbst auch nur wenig Drang Richtung lila Tor entwickelte.

Nach einer Viertelstunde gabs immerhin sowas, wie die erste Chance für uns, brachte aber nichts ein und nun kam auch Osnabrück besser ins Spiel.

So ging es ein paar Mal hin und her, viel Kampf, wenig Technik, so kann man das ganz gut beschreiben. Und so gings auch torlos in die Pause.

Bevor die zweite Hälfte beginnen sollte, wurden sowohl auf Braunschweiger als auch auf Osnabrücker Seite Transparente gegen die unsäglichen Amateurtruppen in der Regionalliga präsentiert.

Im Braunschweiger Block gab es zudem noch beträchtliche Rauchentwicklung und seit langem mal wieder Bengalos zu sehen – was in den kommenden Tagen für große Unruhe im Verein und der Fanszene sorgen sollte, da das Spiel kurz unterbrochen wurde.

Rauch und Bengalos

Vor mir taten sich ein paar Dünnbrettbohrer damit hervor „Ultras raus“ zu skandieren, was mir echt die Adern schwellen ließ. Grundsätzlich ja halb so wild, wir leben ja in einem Staat, wo freie Meinungsäußerung herrscht, nur haben es diese Dummköpfe nicht ein einziges Mal während des gesamten Spiel für nötig gehalten, unsere Eintracht zu unterstützen, aber wenn es gegen die eigenen Fans geht, ja da ist man dann schnell dabei.

Kurz nachdem der Ball wieder rollte – vor dem Block war immer noch Unruhe – dann Elfmeter für Osna – SCHEISSE! Der Strafstoß wurde natürlich auch souverän verwandelt, also 1:0 für den VfL.

Leider waren sich unsere Verantwortlichen und auch einige Spieler später nicht zu schade, den Fans eine Mitschuld an diesem Elfmeter zu geben.

Eins war aber offensichtlich, dieses Tor schockte unsere Jungs auf dem Platz und es dauerte nur zehn Minuten, bis es den zweiten Strafstoß für Lila-Weiß gab, der ebenfalls verwandelt wurde.

Nachdem grad fünf Minuten später dann auch noch das 3:0 fiel, war der Drops natürlich gelutscht.

Der dritte Elfmeter des Spiels wurde dann für uns gegeben und von Kuru, der kurz zuvor eingewechselt wurde, auch sicher verwandelt. Hurra, das erste Tor in dieser gar nicht mehr sooo jungen Saison (aber natürlich auch nur ein Elfmeter- und kein herausgespieltes Tor).

Der Schiri hatte dann auch ein Einsehen und pfiff den Rotz ab, ich hatte keine Lust, unseren Spielern noch zuzuwinken und verließ daher mit Henner und Daniel, die ich nach Braunschweig mitnehmen wollte, das Stadion.

Richtung Brücke gabs eine Polizeikette und Pferde und alles, aber es war ungewöhnlich entspannt: „Sie wollen zum Auto, ja bitte, dann gehen Sie doch durch.“ – ein Lob an Team Green, so soll das sein (speziell wenn ich da an die Kasper neulich in Ulm denke).

Die auserwählte Autobahnauffahrt war gesperrt, so dass man erstmal ein Stück über Land eierte, dann daber doch irgendwo auf die Bahn kam. In Oeynhausen der obligatorische Pitstop beim örtlichen Bulettenbräter, der bereits komplett in blau-gelber Hand war und wo man das erste Mal das Gerücht hörte, Trainer Krüger sei zurückgetreten. Dies wurde leider durch einen Anruf bei informierter Stelle als Ente entlarvt, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Kaum auf der A2 dann eine feine Vollsperrung, bei der dann mal eine Stunde gar nichts passierte und ich nur hoffte, dass unsere Mannschaft da wenigstens auch drin stehen muss.

Das musste sie auch, denn nachdem ich Henner schließlich in Wenden rausgesetzt hatte und durch die Stadt zu Daniel gurkte, bog der Bus von der Hansestraße aus vor mir ein und wir spielten noch kurz mit dem Gedanken, die Jungs noch ein wenig für die gezeigte Leistung zu loben.

Nur meine Müdigkeit hielt mich davon ab, so dass ich Daniel noch absetzte und dann nach Goslar düste, wo ich gegen 2:00 Uhr morgens ins Bett fiel.

Vielleicht hat das Pokalaus ja auch was Gutes: so kann sich die Eintracht nun Voll und Ganz auf den Klassenerhalt konzentrieren – und dass der noch in weiter Ferne ist, das wissen wir wohl alle.

VFL OSNABRÜCK: Frederik Gößling – Marko Tredup, Dave de Jong, Dominique Ndjeng, Mathias Surmann – Joe Enochs, Thomas Cichon (Jan Schanda, 68′) – Daniel Chitsulo (Florian Heidenreich, 90′), Daniel Cartus, Bilal Aziz (Alexander Nouri, 83′) – Addy Menga. TRAINER: Claus-Dieter Wollitz

BTSV: Thorsten Stuckmann – Benjamin Siegert, Markus Husterer, Marco Grimm (Samuel Koejoe, 71′), Kosta Rodrigues – Daniel Graf, Torsten Lieberknecht (Francis Banecki, 61′), Dennis Brinkmann, Dennis Weiland – Jürgen Rische (Ahmed Kuru, 80′), Bekim Kastrati. TRAINER: Michael Krüger

SCHIRI: Dr. Jochen Drees (Mainz)

TORE: 1:0 Thomas Cichon (54′, Elfmeter), 2:0 Bilal Aziz (64′, Elfmeter), 3:0 Addy Menga (70′), 3:1 Ahmet Kuru (84′, Elfmeter)

ZUSCHAUER: 14.000, darunter geschätzte 2.000 Braunschweiger

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