UEFA-Cup: AS Nancy Lorraine – Wisła Kraków 2:1 (1:1)

AS Nancy Lorraine Stade Marcel-Picot,
Nancy, Frankreich
Wisła Kraków

Klar, theoretisch wäre ich wohl lieber in Blackburn bei unseren Basler Freunden gewesen, aber Wisła ist ja auch nicht schlecht, also wurde für diese Tour geplant und gehofft, dass eine Mitfahrgelegenheit gefunden wurde, da die Zugfahrt mit rund 70 Euro zu Buche geschlagen hätte.

Und tatsächlich, über Umwege bekam ich einen Lift – vielen Dank nochmal! Mein Dresdendynamischer Namensvetter, den der Job nach Heilbronn verschlagen hatte, war zwar schon in Nancy, aber Krakau konnte ihn dann noch mal zur Bestätigung bewegen.

So ging es also gegen 16h00 los und man erreichte Nancy ziemlich problemlos, obschon ein großes Stück Landstraße in Frankreich zu bewältigen war.

Am Stadion dann der erste Schock: die Kassenhäuschen hatten dicht – mit einem Soldout war heute nun wirklich nicht zu rechnen gewesen, auch wenn nur gut 20.000 in das Stade Marcel-Picot passen.

Ein Zettel wies uns dann aber zur Fanboutique, und siehe da, da waren die Schalter offen, also auf Englisch versucht Tickets für die Hintertorseite gegenüber des Gästeblocks (zwecks guter Sicht auf ebendiesen) zu ergattern – und der zweite Schock: „no tickets for today!“.

OK, sie meinte nur für den von uns favorisierten Block, also Zähne zusammengebissen und mal locker 25 Euro pro Person für die Gegengerade abgedrückt, man hat’s ja…

Also erstmal ins Stadion und sich über den ordentlich gefüllten Fanblock der Polen gefreut.

Noch eine gute halbe Stunde war totzuschlagen und da es trotz Eiseskälte nix Warmes zu trinken gab (dank Zahlkartenpflicht), zitterte man so vor sich hin.

Zu Beginn war das Stadion dann auch ganz ordentlich voll und die Franzosen boten eine unspektakuläre Doppelhaltershow auf der einen und eine auch nicht vom Hocker reißende Pappen-Choreo auf der anderen Seite.

Direkt neben den Pappen machte Kraków es besser, erst gabs Unmengen an Schwenkern, die dann noch durch einige Bengalos beim Einmarsch der Akteure ergänzt wurden. Sehr fein! Dazu gabs noch ein ‚Protestultra.pl‘-Banner – der Hintergrund wird noch recherchiert.

Das Spiel begann und leider konnte man ziemlich schnell sehen, dass es ein rechter Grottenkick werden würde, bei dem Nancy schwach, Krakau aber noch zwei Klassen schwächer war.

Besonders der Keeper der Polen – offenbar die Nummer 2 im Tor – konnte durch häufige Unsicherheit unrühmlich auf sich aufmerksam machen, so dass es nur eine Frage der Zeit war, wann Nanzig in Führung gehen würde, was dann auch in der 9. Minute passierte, als Kim das 1:0 für AS Nancy erzielen konnte (oder war es doch Berenguer, die offiziellen Seiten sind sich uneins, egal).

Nach einer Viertelstunde dann gar das vermeintliche 2:0 per Fernschuss – welches aber aus für mich nicht ersichtlichen Gründen nicht gegeben wurde.

In der 30. Minute konnte dann Krakau völlig überraschen und mit der ersten (und wie wir leidvoll merken mussten, einzigen) Chance des Spiels den Ausgleich erzielen, was auch die Stimmung im Gästesektor wieder auf Vordermann brachte, die vorher doch ein klein wenig eingeschlafen war.

Die Heimseite übrigens nicht so schlecht, wie erwartet, teilweise schon einigermaßen laut und auch recht konstant in ihren Supportbemühungen. Gab auch ein paar nette Wechselgesänge mit dem zweiten Fanblock, der gegenüber (und genau neben den Polen) untergebracht war.

Nach der durchfrorenen Halbzeitpause schien Krakau für ein paar Momente besser ins Spiel gekommen zu sein, ein krasser Abwehrfehler in der Heimhälfte beendete aber diese Bemühungen und Krakau sah sich in einer 1-gegen-3-Kontersitutation, die die Franzosen unglaublicherweise nicht zur erneuten Führung nutzen konnten.

Danach stürmte dann aber nur noch Nancy, hatte in der 53. Minute noch eine Hammermöglichkeit und waren dann auch eine Minute später in der Lage, das Leder im Krakauer Kasten unterzubringen – erneut nach einem schlimmen Fehler in der polnischen Abwehr.

Zu allem Überfluss gabs in der 66. Minute noch die Ampelkarte für den bereits gelbverwarnten Norbert Varga, so dass Wisła die verbleibenden 25 Minuten nur noch mit neun Feldspielern agieren konnte.

Der Gast entsprechend geschockt, hier darf dann aber Nancy der Vorwurf gemacht werden, dass sie das nicht ausnutzen konnten.

Kurz vor Schluss gings zwar noch mal zornig hin und her, Zählbares gabs aber nicht und für uns gings direkt mit dem Pfiff aus dem Stadion und zum Auto, dessen Heizung heute abend besonders gehuldigt wurde.

Zügig gings zurück in die Zivilisation, zu zügig, meinten unsere baguettefressenden Freunde und ließen es gleich zweimal blitzen – Fotzen!

AS NANCY LORRAINE: Gennaro Bracigliano – Michaël Chrétien, Pape Diakhaté, Damian Macaluso, Frédéric Biancalani (David Sauget, 72′) – Pascal Berenguer, Emmanuel Duchemin, Landry N’Guemo – Monsef Zerka, Kim (Issiar Dia, 63′), Tosin Dosunmu (André Luiz, 80′). TRAINER: Pablo Correa

WISŁA KRAKÓW: Emilian Dohan – Marcin Baszczyński, Dariusz Dudka, Cléber Guedes de Lima, Michael Thwaite (Branko Radovanovic, 88′) – Jakub Błaszczykowski, Norbert Varga, Radosław Sobolewski, Mauro Cantoro (Jean ‚Paulista‘ Rodrigues, 64′), Marek Zieńczuk (Piotr Brożek, 59′) – Paweł Brożek. TRAINER: Dragomir Okuka

SCHIRI: Pavel Kralovec (Tschechien)

TORE: 1:0 Kim (9′), 1:1 Paweł Brożek (30′), 2:1 Pascal Berenguer (54′)

ZUSCHAUER: 17.509, gut 1.000 Polen (würd ich mal so schätzen)

Die Kommentfunktion ist nicht aktiviert.