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UEFA-Cup: Wisła Kraków – FC Basel 3:1 (1:1)

Donnerstag, 30. November 2006
Wisła Kraków Stadion Wisły,
Krakau, Polen
FC Basel

Mittwoch morgens gegen 6h00 begann diese Tour am Bahnhof in Karlsruhe, wo mich die Autobesatzung bestehend aus Waldhof Mannheim und FC Basel aufsammelte.
Unterwegs noch einen weiteren Waldhöfer aufgegabelt und ab ging es mit zwei Halben nach Hahn, wo die Weiterreise mit Ryan Air auf dem Programm stand.

Am Flughafen traf man auch sogleich den Rest unserer feinen Truppe sowie auf weitere Freunde des FC Basel.

Der Flug verging ereignislos, bis auf die Durchsage vom Käpt’n, dass wegen starken Nebels nicht in Krakau sondern in Kattowitz gelandet werden müßte. Kurwa.

Dort war man dann erstmal mit großer Ratlosigkeit konfrontiert: da Ryan Air dort keinen Schalter hat, konnte uns niemand sagen, wie wir denn nun nach Krakau kommen würden.

Zwar gab es einen Bus, aber der sollte Geld kosten und die Gerüchte verdichteten sich, dass es einen Transfer für die Gestrandeten geben sollte – nur war bis zum Abfahrt desselben nicht klar, wann und von wo dieser starten sollte.

Der Basler Hofchauffeur Frossard witterte noch die dicken Franken und machte uns das Angebot, uns mitzunehmen (auch die Mannschaft und der VIP-Troß waren in Katowice gestrandet), was dankend abgelehnt wurde, da der Fahrpreis wohl in seine Taschen gewandert wäre.

Plötzlich hatte unser Bus sich dann auf dem Parkplatz materialisiert und so gings über die Autobahn zum Flughafen nach Krakau und von da per Linienbus zu unserem Hotel.

Nach kurzem Einchecken und Frischmachen machten wir uns auf den Weg in die City, dekadenterweise auf Hotelkosten via Taxis. Unser Taximann war sehr bemüht, so dass wir fast fünf Minuten vor dem Rest am Treffpunkt ankamen.

Nach einem lecker Essen in einer wohl recht noblen Pizzeria (Preise von rund fünf Euro für ’ne Riesenpizza sind für den Einheimischen nicht grad billig) gings in eine urige Kneipe im zweiten Kellergeschoß in der Nähe des Marktplatzes, wo die Truppe um Effi, Hagedorn und Wisła-Marek bereits sehnsüchtig auf uns warteten. Später tauchten auch noch die Basler um Florian und Ornella auf, so dass einem feuchtfröhlichen Abend nicht viel im Weg stand – außer, dass unser Hotelshuttle für 22h15 bestellt war und man mal wieder gehen musste, als die Stimmung grad den Zenit erreichen wollte.

An einer Tankstelle wurden noch ein paar Vorräte eingekauft und sich dann ins kurzerhand etablierte Dreibettzimmer zurückgezogen. Nach einigen Drinks und Gesprächen machte sich dann allgemeine Müdigkeit breit, so dass sich Kai zum Schwaben kuschelte und auch unser Zimmer den Rückzug antrat.

Am nächsten Morgen wurde das Frühstücksbuffet vom Hotel supportet (leider nicht im Preis inbgriffen und mit 29 Złoty für polnische Verhältnisse auch sehr hochpreisig), ehe es leicht dezimiert (Basel Sektion Schwaben lag malad im Bett und ließ sich von Annika pflegen) per Bus in die City ging, wo uns direkt die Effi-Crew über den Weg lief. Unsere Wege trennten sich allerdings recht bald, da Effi und Marek noch ein paar geschäftliche Dinge zu regeln hatten und wir mehr das Touriprogramm vor uns hatten.

Nach kurzem Abstecher über den Markt meldete sich der Hunger bei den Frühstücksverweigerern, bei mir dagegen der Kater, so dass sich unsere Truppe nach kurzem Abstecher zu McD (wo der Schwabe sich direkt in die Bedienung verliebte) trennte. Ein Teil war nun auf Shoppingtour, Weissi und ich probierten mal ein Konterbier, was auch hervorragend klappte.

Nach der Wiedervereinigung gings dann erst in ein obskures Restaurant, der pure Tourinepp und anschließend in die Kneipe vom Vorabend, wo noch ein wenig Mut für das gefährliche Fußballspiel am Abend angetrunken werden wollte.

Per Taxi noch mal kurz zum Hotel und dann auch schon Richtung Ground, der grad n Kilometer entfernt war. Was hatte man nicht alles von dem Wisła-Lynchmob gehört, wir haben genau keinen Fan gesehen (naja, bis auf Weissi, der es vorzog erstmal zur Heimkurve zu gehen und sich durch sein Verhalten direkt als Fremder zu outen – passiert ist aber erwartungsgemäß nix).

Nach mehr als albernen Kontrollen und dem Hinweis der Basel-Ordner, dass wir uns bitte nicht von den schwarz vermummten Gesellen im Block provozieren lassen sollten, gings in den neuen Gästeblock.

Dort alles vom Feinsten, nur leider konnte man den Rest unserer Tribüne dank eines extrem dichtmaschigen Zauns nicht erkennen. Diese Tribüne ist die erste Neuerrichtete, gegenüber das Ding ist auch fast fertig, jedoch fehlen da wohl noch die Sitzschalen. Die alte Haupttribüne und die Gegenseite sind noch im alten Zustand und es steht wohl auch noch in den Sternen, wann der komplette Umbau fertig wird (in der Stadtverwaltung haben wohl die Cracovialeute das Sagen, wird gemunkelt).

Neben einer weiteren Autobesatzung aus der schönsten Stadt der Welt waren leider nur eine sehr übersichtliche Menge an Baslern vor Ort, so dass man nicht zu viel Stimmung erwarten konnte.

Die Heimseite präsentierte ein Spruchband („Auf gehts, kämpfen und siegen“ oder so) und eine Choreographie aus einer Blockfahne und Metallicfolien in silber, rot und blau – diese wurden leider nicht passend hochgehalten, so dass die Choreo mal klassisch in die Hose ging. Anschließend wurde der Zaun mit den üblichen Bannern verziert (auch wenn wohl die ein oder andere in der Vorwoche an Craxa ging, wie man so hörte)

Das Spiel war unterste Kajüte, zwar konnte der FCB durch Petric schon nach acht Minuten in Führung gehen, Wisła glich aber umgehend aus und war von da an die weniger schlechte der beiden Mannschaften, die heute beide einen ganz üblen Stiefel runterspielten.

Die Stimmung bei uns so einigermaßen OK, auf Heimseite ebenfalls sehr durchwachsen – aber wenn die loslegten, dann war es brutal laut. Dazu gabs immerhin mal ein paar Strobo-Bengalen, leider hinter den Fahnen, so dass man nicht wirklich was sah – offenbar gibts bei Wisła ein Abkommen mit dem Verein, bei europäischen Spielen zu Hause nicht zu zündeln.

Nach der Pause dann das gleiche Spiel, Wisła ganz schwach, Basel noch schwächer, so dass auch die beiden folgenden Tore für die Polen absolut in Ordnung gingen (auch eine gelb-rote Karte für Cléber in der 88. Minute auf Heimseite konnte nichts mehr ändern) und sich der FC Basel nun ganz auf die Meisterschaft und den nationalen Cup konzentrieren kann.

Wir erduldeten noch eine Blocksperre, ehe wir uns auf den Fußweg allein ins Hotel machten, wo natürlich wieder nichts passiert ist (außer einem kleinen Pitstop an der Tanke, um die Vorräte aufzufüllen).

Im liebgewonnenen Partyzimmer wurden dann noch ein paar Biere getrunken, aber auch heute forderte der anstrengende Tag schon bald seinen Tribut.

Während der Großteil unserer Bombentruppe am Freitag zurück nach Hahn flog, ging es für mich per Taxi zum Bahnhof, wo ich mit Marek, Effi und Ingo verabredet war, um gemeinsam nach Stettin zu fahren. Dank der findigen Mitreisenden kostete die neunstündige Fahrt in der ersten Klasse Intercity via Warschau grad 80 Złoty – da darf sich die DB gerne mal die ein oder andere Scheibe von abschneiden!

In Stettin wurde erstmal das Gepäck in Mareks Bude verstaut, ehe es zum Shoppen (Zigaretten und Bier…) und Pizzaessen in die City ging und wir danach daheim bei dem einen oder anderen Bier noch über die aktuellen Preise für Schals und Aufkleber auf dem Weltmarkt diskutierten.

Effi und Marek hatten Samstag früh noch geschäftlich zu tun, was jedoch ins Wasser fiel und wir so mit einem Abstecher auf dem Polenmarkt einigermaßen zeitig mit bis unters Dach vollgepacktem Auto Richtung Berlin durchstarteten, wo für Ingo und mich ein weiterer Leckerbissen auf der Fußballspeisekarte stand…

WISŁA KRAKÓW: Emilian Dohan – Marcin Baszczyński, Cléber Guedes de Lima, Dariusz Dudka, Michael Thwaite – Jakub Błaszczykowski (Adam Kokoszka, 89′), Jacob Burns, Radosław Sobolewski, Marek Zieńczuk – Piotr Brożek (Jean ‚Paulista‘ Rodrigues, 64′), Paweł Brożek (Pareyk Małecki, 90′). TRAINER: Dragomir Okuka

FC BASEL: Louis Crayton – Reto Zanni, Daniel Majstorovic, Koji Nakata, Scott Chipperfield – Mile Sterjovski, Papa Malick Ba, Ivan Ergic, Zdravko Kuzmanovic (Cristiano, 83′), Delron Buckley (Ivan Rakitic, 62′) – Mladen Petric. TRAINER: Christian Gross

SCHIRI: Viktor Kassai (Ungarn)

TORE: 0:1 Mladen Petric (8′), 1:1 und 1:3 Paweł Brożek (11′, 83′), 2:1 Jean ‚Paulista‘ Rodrigues (71′)

ZUSCHAUER: 8.000, rund 100 Basler (drei Mannheimer, sechs Braunschweiger)

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Ekstraklasa: MKS Pogoń Szczecin – Górnik Zabrze 1:1 (1:1)

Samstag, 27. August 2005
MKS Pogoń Szczecin Stadion Florian Krygier,
Szczecin, Polen
Górnik Zabrze

Halb acht Uhr morgens ging es aus dem Bett und nach einer schnellen Dusche und dem Räumen des Zimmers, sowie einem schnellen Frühstück wurde die Straßenbahn zum Bahnhof geentert und dort die S- bzw. Regionalbahn über Güstrow nach Stettin in Polen bestiegen, wo heute abend das Spiel der Ekstraklasa zwischen dem Club aus Szczecin-Pogodno (Stettin-Braunsfelde) und dem vierzehnmaligen polnischen Meister (zuletzt allerdings 1988) Górnik Zabrze auf dem Programm stand.

Die Fahrt von Güstrow wurde von einem witzigen Zugbegleiter aufgelockert, der vor jedem Halt erstmal auf die lokalen Besonderheiten wirtschaftlicher, geschichtlicher und geographischer Natur einging. So lernten wir beispielsweise die größte Zuckerfabrik in Norddeutschland kennen – kann man immer mal gebrauchen…

Mittags war die Hansestadt Stettin in Pommern erreicht, die Stadt gehörte ab 1720 zu Preußen und wurde nach der Potsdamer Konferenz Polen zugesprochen.

Stefan und ich zog es erstmal in die City, wo ein wenig herumgelatscht wurde und schließlich eine Pizza genossen wurde, bevor wir wieder zurück zum Bahnhof gingen, um von dort ein Taxi zum Stadion zu nehmen.

Die Strecke hätten wir auch locker laufen bzw. mit der Straßenbahn zurücklegen können, jedoch hatten wir nach dem Spiel nur sehr wenig Zeit, so dass unsere Taktik vorsah, dem Taxifahrer klar zu machen, dass er uns bitte um 20h45 wieder abholen möchte, was soweit auch klappte.

Für 30 Zloty (ca. 7,50 Euro) wurden Karten der teuersten Kategorie gekauft, wollten wir doch das heutige Spiel in Ruhe geniessen.

Mit als erste enterten wir den Ground und hatten so viel Zeit zum rumschauen und photographieren.

Florian KrygierUnter anderem war heute auch Florian Krygier im Stadion, um dort seine Geschichte von Pogon Stettin zu signieren – ich konnte es mir nicht nehmen lassen, mir von ihm ein Autogramm auf meine Eintrittskarte geben zu lassen.

Florian Krygier ist DAS Urgestein des Fußballs in Stettin, mittlerweile 98 Jahre alt und immer noch Vereinsmitglied. Seit der letzten Saison trägt auch das Stadion seinen Namen – ein Kuriosum, dass ein Stadion nach einer lebenden Persönlichkeit benannt ist.

Das Stadion selbst hat eine ungewöhnliche Hufeisenform mit zwei Geraden und einer Kurve, ein kleines Dach schützt einen kleinen Teil der Gegengeraden, ansonsten ist der All-Seater unüberdacht.

Die Sitzschalen bilden die Worte Pogoń und Szczecin auf den Geraden und MKS (für Morski Klub Sportowy – Seesportclub) in der Kurve, wo außerdem noch ein relativ liebloses Abbild eines Fußballers zu sehen ist.

Stadion Florian Krygier, Szczecin, Polen

Von den Zwanziger Jahren bis zur Eroberung Stettins durch die Sowjetarmee hieß das Stadion Rühl-Kampfbahn, nach dem Stadtschulrat Prof. Dr. Hugo Rühl.

Mittlerweile füllte sich das Stadion so einigermaßen, knapp 18.000 Zuschauer fasst der Ground, nur gut ein Drittel der Plätze sollten heute besetzt werden.

Da unsere Plätze nicht so prall waren – weit vom Fanblock entfernt, weit unten, direkt neben dem Gästesektor, entschlossen wir uns, unser Glück auf der sowieso höheren Gegengeraden zu versuchen und hatten kurz nach Spielbeginn auch das Glück, dass der Ordner kurz seinen Posten verließ und man nun einen schönen Platz genießen durfte.

Zabrze Away Mob in Stettin

Von dort konnte man sowohl das nicht vorhandene Treiben der etwa 100 Gästefans aus Polens Kohlenpott begutachten, hatte aber auch tolle Sicht auf den Fanblock von Pogoń, wo zwar einigermaßen laut gesungen wurde, ansonsten aber nur eine Schalparade zu Beginn präsentiert wurde.

Nach 15 Minuten kam dann aber das eigentliche Intro: ein großer Wimpel wurde hochgezogen eingerahmt von Goldfolie, sowie in den Nebenblocken dunkelblauen und bordeauxroten Pappen. Dazu gab es ein Spruchband (Miłośc jedno ma imiÄ…) und ein paar Fackeln – sah sehr nett aus, ließ sich aber leider aus meiner Position nur mäßig photographieren, da direkt dahinter die Sonne unterging.

Die Heimmannschaft war klar besser, geriet jedoch nach 23 Minuten in Rückstand als Aleksander aus dem Nichts aus knapp 10 m das 1:0 für die Gäste erzielte.

Keine zehn Minuten später konnte Pogoń endlich eine seiner zahlreichen Chancen nutzen und den Ausgleich erzielen, der mit orangenem Rauch und ein paar Fackeln gefeiert wurde.

Das Spiel verflachte zusehends und man konnte somit seinen Blick ein wenig hin und her schweifen lassen (Spiel, Gast, Heim…). Nett auch ein gemeinsamer Sprechchor von den Heim- und Awayfans, der offensichtlich gegen die Polizei gerichtet war.

In der Halbzeit musste man Hupfdohlen ertragen, die aber wenigstens zu einem sehr netten, rockigen Vereinssong rumhampelten.

Nach der Pause blieb das Spiel leider auf schwachem Niveau, beide Teams versuchten ihr Glück, bekamen aber nichts Zählbares zu Stande.

In der zweiten Halbzeit präsentierte sich die Heimkurve mit schönen Gesängen sowie ein paar Schwenkern und gelben Luftballons – nix Besonderes, sah aber trotzdem ganz nett aus, speziell als dazu dann noch ein paar Bengalos gezündet wurden.

Leider mussten wir das Spiel bereits kurz vor Abpfiff verlassen, da wir ja mit unserem Taxiknilch verabredet waren, der jedoch nicht am vereinbarten Treffpunkt auftauchte – zum Warten hatten wir keine Zeit, also wurde das erstbeste Taxi angehalten und nachdem man ihm klar gemacht hatte, dass es zum Bahnhof geht, war auch soweit alles geritzt.

Auf der Fahrt von Stettin nach Angermünde hatten wir einen ganzen Zugteil für uns alleine, sehr nett…

Halb zwölf war dann Berlin-Ostbahnhof erreicht und es trennten sich unsere Wege, während Stefan sich mit dem WET auf den Heimweg nach Regensburg machte, nutzte ich mein Lidl-Ticket und bestieg den Nachtzug nach Düsseldorf.

Meine Freude über ein Abteil für mich währte allerdings grad bis Berlin Zoo, aber trotzdem wurde ein wenig geschlafen ehe morgens um 9h00 wieder Karlsruher Gefilde erreicht waren.

TORE: 0:1 Arkadiusz Aleksander (23′), 1:1 Edi Carlos Andradina (32′)

ZUSCHAUER: knapp 7.000, davon etwa 100 Gästefans aus Zabrze

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